Nach Frankfurt ist vor Bremen. Im Abstiegskampf bleibt kaum Zeit zum Durchatmen. Inside Müngersdorf wirft für euch den Blick voraus auf den 29. Spieltag und die Begegnung 1.FC Köln gegen Werder Bremen (Sonntag, 15:30 Uhr, RheinEnergieSTADION & live bei DAZN).
Parallelen im Saisonverlauf
Den Saisonverlauf hatte man sich wohl auf beiden Seiten anders vorgestellt. Beide Mannschaften stecken tief im Abstiegskampf. Folgerichtig sind mit Horst Steffen und Lukas Kwasniok beide Trainer vom Saisonstart bereits Geschichte, obwohl beide erst letzten Sommer verpflichtet worden waren. Mit Daniel Thioune und René Wagner konnten deren Nachfolger bereits erste positive Akzente setzen.
Beim FC haben die Wochen der Wahrheit begonnen. Mit Bremen (H) und St. Pauli (A) spielt man in den nächsten beiden Begegnungen gegen direkte Tabellennachbarn und damit gegen die unmittelbare Konkurrenz im Abstiegskampf. In Köln wartet man nun seit 8 Spielen auf einen Sieg. Umso wichtiger wären die 3 Punkte für das übergeordnete Ziel Klassenerhalt. Bremen hingegen konnte aus den letzten fünf Partien drei Siege einfahren. Die Formtabelle spricht also eher für die Norddeutschen, bei denen der berühmte Trainereffekt zu greifen scheint.
Mutmacher: Personalsituation
Was aus FC-Sicht aber Mut macht: Die Bremer Personaldecke ist aktuell sehr dünn. Mit Kapitän Marco Friedl, Mittelfeldmotor Jens Stage (beide Muskelprobleme) und Flügelflitzer Justin Njinmah (Trainingsabbruch am Mittwoch) absolvierten mehrere Leistungsträger zuletzt nur ein individuelles Programm. Shootingstar Karim Coulibaly setzte laut Vereinsangaben am Donnerstag krankheitsbedingt aus. Niklas Stark (Wadenprobleme) und Amos Pieper (Schädelprellung) waren unter der Woche zumindest teilintegriert im Teamtraining. Zudem fehlt Cameron Puertas gelb gesperrt. Für die Gäste könnte der 20-jährige Angreifer Salim Musah zum X-Faktor werden. Das groß gewachsene Talent hatte zuletzt gegen Leipzig sein 1. Bundesliga-Tor erzielt und ist laut seinem Trainer ein „Startelf-Kandidat.“
Hinter einigen Bremer Akteuren steht also weiterhin ein Fragezeichen. Da Werder in dieser Saison für alles andere als einen breiten Kader bekannt ist, könnte hier ein Vorteil für den FC liegen.
Doch auch abseits des Platzes rumort es an der Weser gewaltig. Zuletzt sorgte die öffentliche Kritik von Ex-Kölner Mitchell Weiser an den Werder-Bossen für reichlich Schlagzeilen. Daneben ziehen sich Nebenkriegsschauplätze, wie die Kaderpolitik von Sportboss Clemens Fritz und die offensive Harmlosigkeit wie ein roter Faden durch die Bremer Saison. Unter Chefcoach Thioune konnte sich Werder zumindest defensiv stabilisieren und verbuchte zuletzt ligaweit die wenigsten xGoals gegen sich.
Der FC kann personell (abgesehen von den Langzeitverletzten) wieder aus dem Vollen schöpfen. So gab Cheftrainer René Wagner auf der Pressekonferenz am Freitag bekannt, dass Said El Mala wieder voll trainiert habe und sich gut fühle. Angesprochen auf die personelle Situation im defensiven Mittelfeld ließ sich Wagner nicht in die Karten schauen. Tom Krauß, Isak Johannesson und Rückkehrer Eric Martel konkurrieren um „minimal mal zwei Plätze“, so der Wortlaut auf der Pressekonferenz. Denis Huseinbasic, der gegen Frankfurt überraschend in der Startelf gestanden hatte, ist nach dürftiger Leistung demnach wohl wieder außen vor.
Auch defensiv hat der FC wieder mehr Optionen. „Joel (Schmied Anm. d. R.) ist eine Kaderoption, […] Alessio (Castro-Montes Anm. d. R.) ist eine Option für beides, Kader oder Start“, ordnete Wagner am Freitagmittag ein.
Besonderen Rückenwind dürfte Jahmai Simpson-Pusey dieser Tage verspüren. Die Leihgabe von Manchester City ist kürzlich Vater geworden. Außerdem bewertete der 20-Jährige seinen Wechsel nach Köln kürzlich als „Eine der besten Entscheidungen meines Lebens“. Also gleich zwei gute Gründe, um wie beflügelt aufzuspielen.
Alles eine Frage des Systems?
In Frankfurt hat Wagner bereits bewiesen, seinen Matchplan, wenn nötig, anzupassen. Dort war man mit einer 3-5-2-Formation ins Spiel gestartet und stellte Mitte der 1. Halbzeit auf ein 4-4-2-System um. Angesichts der erfolgreichen Umstellung ist gegen Bremen bereits von Beginn an mit einer Viererkette zu rechnen.
Historisch ausgeglichene Begegnung
Beide Klubs treffen am Sonntag bereits zum 112. Mal in ihrer langen Historie aufeinander. Die Bilanz der bisherigen Duelle ist aus FC-Sicht nahezu ausgeglichen (39 Siege, 32 Remis, 40 Niederlagen).
Im Hinspiel (1:1) sorgte einmal mehr Said El Mala mit einer Einzelaktion in der Nachspielzeit für den verdienten Punktgewinn. Er könnte auch am Sonntag – sofern er wirklich zu 100% fit ist – zum X-Faktor für den FC werden.
An den letzten Heimsieg gegen Bremen denken FC-Fans gerne zurück. Kurz vor Weihnachten, genauer am 16. Spieltag der Saison 2022/23, überrollte man Bremen mit 7:1, inklusive Traumtor von Steffen Tigges aus rund 45 Metern. Selten gab es eine solche Gala-Vorstellung in Müngersdorf.
Spieltag im Rahmen einer besonderen Aktion
Abseits vom Sportlichen steht der Spieltag im Zeichen der Inklusion. So wird der FC im Sondertrikot mit dem Schriftzug „Aktion Mensch“ auflaufen. Hauptsponsor REWE gibt für dieses Spiel die Brust frei. Ebenfalls wird der Inklusionssong „Zusammen laut“ am Sonntag Premiere feiern. Gemeinsam mit dem ehemaligen Höhner-Frontmann Henning Krautmacher und diversen weiteren prominenten Persönlichkeiten setzt der FC damit sowohl optisch als auch musikalisch ein wichtiges Zeichen für Inklusion und Toleranz.
So tippt unsere Redaktion das Spiel
Max: 3:0
Noah: 4:1
Tobias: 2:0
Jan: 2:1
Leon: 3:1
Voraussichtliche Aufstellung 1.FC Köln
Schwäbe – Sebulonsen, van den Berg, Simpson-Pusey, Lund (Castro-Montes) – Thielmann (Maina), Martel, Krauß (Johanneson), Kaminski – Ache, S. El Mala
Voraussichtliche Aufstellung SV Werder Bremen
Backhaus – Sugawara, Pieper (Coulibaly), Friedl, Deman – Lynen, Bittencourt, Schmid – Grüll, Njinmah (Musah), Agu
Schiedsrichter: Tobias Reichel
Assistenten: Christian Bandurski, Marcel Unger
Vierter Offizieller: Felix Prigan
VAR: Benjamin Brand
VAR-Assistent: Felix-Benjamin Schwermer



