Die Würfel beim 1. FC Köln sind gefallen. In einer Gremiensitzung, an der die gesamte Vereinsspitze – vom Präsidium über die Geschäftsführung, den Mitgliederrat hin zum Aufsichtsrat und REWE-Boss Lionel Soque – teilnahm, wurde das Schicksal von Lukas Kwasniok besiegelt. Es ist das Ende einer Zusammenarbeit, die zwar spielerisch Hoffnung machte, aber am Ende an der harten Realität der Ergebnisse scheiterte.
Wer als Trainer das Ultimatum von vier Punkten aus drei Partien verfehlt, steht in keinem guten Licht. Dass in der gesamten Rückrunde lediglich ein einziger Sieg verbucht werden konnte, wog in der Analyse der Verantwortlichen schwerer als die eigentlich ansehnliche Spielweise. Der FC zeigte unter Kwasniok zwar oft eine überraschende Disziplin und einen Teamgeist, den man in Köln in Krisenzeiten oft vermisste, doch der Ertrag blieb schlichtweg aus.
Die Entscheidung fiel zügig. Nach kaum sechzig Minuten Beratungszeit stand fest: Kwasniok muss gehen. Die offizielle Bestätigung folgte gegen 19:00 Uhr, zeitgleich mit der Nachricht, dass der bisherige Co-Trainer Rene Wagner die Nachfolge antritt.
Viele FC-Fans fragen sich: Wie soll ein Co. Trainer, der die bisherige „Erfolgslosigkeit“ mitgestaltet hat, plötzlich für den rettenden Impuls sorgen?
Man hört aus dem Umfeld, dass Thomas Kessler Wagner ohnehin langfristig als Cheftrainer aufbauen wollte. Dass er nun so früh und vor allem als Interimslösung einspringen muss, war so sicher nicht geplant. Eigentlich wollte der FC wohl erst eine externe Lösung präsentieren. Namen wie Dino Toppmöller geisterten schon länger durch die Flure. Dass es jetzt doch die interne Lösung wird, wirkt ein wenig wie Plan B.
Ob Wagner dem Druck standhält? Da ist man sich selbst am Geißbockheim wohl nicht ganz sicher. Man gibt ihm – laut Express – erst einmal die Spiele in Frankfurt und zu Hause gegen Bremen, um zu überzeugen. Danach wird geschaut: Sollte der Umschwung ausbleiben und dabei beide Spiele nicht gewonnen werden, ist Feuerwehrmann Friedhelm Funkel eine mögliche Option.
Meinungen aus der Redaktion
»Lukas Kwasniok zu entlassen, war aus rein sportlicher Sicht absolut richtig. Die Ausbeute war einfach zu dünn. Aber jetzt auf Rene Wagner zu setzen? Das halte ich für ein riskantes Spiel. Dass die Verantwortlichen ihm direkt ein Zwei-Spiele-Ultimatum verpassen, zeigt doch eigentlich nur, dass sie selbst nicht zu einhundert Prozent von dieser Lösung überzeugt sind. Es hätte einen echten, frischen Wind von außen gebraucht. Den sehe ich bei Wagner aktuell leider nicht.«
~ Noah
»Der Entlassung von Lukas Kwasniok als Cheftrainer sehe ich mit gemischten Gefühlen entgegen. Zum einen verstehe ich die Kritik an seinen Aussagen, Personalentscheidungen und anderen kommunikativen Fehltritten. Auf der anderen Seite erkenne ich an, dass viele dieser Entscheidungen aufgrund von Verletzungen oder anderweitigen Ausfällen getroffen wurden und viele Ergebnisse aufgrund von Pech oder schlechter Schiedsrichterleistungen zustande gekommen sind.
Die Mannschaft wirkte nie so, als würde sie nicht kämpfen oder gewinnen wollen. Es wirkte nicht so, als hätte Kwasniok die Mannschaft verloren. Jedoch soll es intern sowohl positive als auch negative Meinungen gegeben haben.
Als Menschen fand ich ihn – nicht zuletzt wegen seiner Kommunikation mit uns Fans am Geißbockheim – sehr sympathisch. Er hat sich der Kölner Kultur angenommen.
Ich bin gespannt, ob René Wagner für einen Impuls sorgen kann, wenngleich eine externe Kraft mit neuen Ideen hier wohl sinnvoller gewesen wäre.«
~Max
»Nach 2 Siegen aus 18 Spielen ist die Entlassung Kwasnioks absolut folgerichtig, und in meinen Augen sogar etwas zu spät. Mit Urs Fischer, mittlerweile beim FSV Mainz 05, war meine absolute Wunschlösung auf dem Trainermarkt lange verfügbar.
Nach furiosem Start und als die Anfangseuphorie verflogen war, konnte man recht schnell feststellen, dass er nicht mehr in der Lage war, neue taktische Akzente zu setzen. Die wenigen Punkte, die man holte, resultierten letztendlich aus starken Einzelleistungen einzelner Spieler. Teils unerklärliche Personalentscheidungen in der Startelf oder beim In-Game-Coaching führten zu Unsicherheit innerhalb der Mannschaft und zu Unverständnis auf den Zuschauerrängen. Auch in der Kommunikation mit Presse und Medien, einem nicht ganz unerheblichen Part in der Arbeitsplatzbeschreibung eines Trainers des 1. FC Köln, wirkte er von Anfang an nicht wirklich souverän und im späteren Verlauf auch dünnhäutig. Viele der angesprochenen Probleme waren aus seiner Zeit beim SC Paderborn bereits bekannt.
Mit René Wagner setzt der FC (zunächst) auf eine interne Lösung, die zu erwarten war. Die jetzige Situation wird sicherlich Teil der Gedankenspiele gewesen sein, als man ihn im Sommer zurück ans Geißbockheim holte. Man darf gespannt sein, ob er der richtige Mann für einen Neustart sein kann, oder ob er zu viel „System Kwasniok“ in sich trägt. Andernfalls wird Thomas Kessler sicherlich nochmals eine Veränderung auf der Trainerposition vornehmen – auch, um seinen eigenen Posten zu sichern.«
~Tobias



