Allmählich nimmt der Transfersommer auch am Geißbockheim Fahrt auf. Heute wurde mit Lochoshvilli der erste Transfer getätigt und es sieht gut aus, dass die Verantwortlichen bis zum Trainingsauftakt am 13. Juli schon die nächsten Neuzugänge präsentieren, ehe es elf Tage später ins Trainingslager nach Kitzbühel geht. Inside Müngersdorf stellt euch zwei Personalien genauer vor, mit denen sich der FC nachweislich beschäftigt.
Ein Wunderkind wie Moukoko?
Laut übereinstimmenden Medienberichten hat der FC Interesse am dänischen Mittelstürmer Chido Obi (18) von Manchester United. Erste Gespräche über einen möglichen Leihdeal haben bereits stattgefunden. Dem Vernehmen nach möchten sich die Kölner zusätzlich eine Kaufoption sichern. Der Marktwert des Angreifers liegt derzeit bei 5 Mio. €. Laut des Portals transfermarkt.de liegt die Erfolgsquote eines Transfers aktuell bei 51% (Stand: 30.06.). Obi wäre demnach als Ache-Backup eingeplant, dessen Abwesenheit im Saisonfinale deutlich spürbar war.
Obi bringt außerdem ein aufregendes Spielerprofil mit und auch seine Bilanz in England kann sich sehen lassen. So galt er schon in der Jugend als Wunderkind, das seinem Alter in Sachen Physis weit voraus war. Trotz seiner Größe von 1.88m besitzt er eine gute Beweglichkeit und Technik mit dem Ball am Fuß. Seine Abschlussstärke bewies er letzte Saison, indem er 26 Scorer in 37 Spielen für den Nachwuchs der Red Devils beisteuerte.
In der Saison 24/25 durfte der damals 17-Jährige sogar erstmalig Profiluft schnuppern und wurde im Mai 2025 zum jüngsten Spieler, der je ein Ligaspiel für ManUtd von Beginn an bestritten hat. Insgesamt stand er 11 mal im Profikader und wurde 8 mal eingesetzt. In der zurückliegenden Saison blieb er jedoch gänzlich ohne Profieinsatz. Ein Leihe könnte also für beide Parteien sinnvoll sein, da der Weg zu mehr Einsatzminuten im Profifußball in Köln realistischer scheint als beim englischen Schwergewicht.
Der Spieler kann sich einen Wechsel in die Bundesliga wohl grundsätzlich vorstellen, allerdings dürfte der FC nicht der einzige Interessent sein. Spätestens nachdem Obi in der Jugend einmal unfassbare 10 Tore in einem Spiel erzielte (14:3 damals mit Arsenal gegen Liverpool), dürfte sein Name auf sämtlichen Scoutinglisten europäischer Topklubs stehen. Demnach waren der FC Bayern und der BVB in der Vergangenheit schon konkret am talentierten Dänen interessiert. Ein Wechsel nach Köln würde einen regelrechten Transfercoup für Kessler und Steidten bedeuten.
Ein Hauch von Tiki-Taka
Kürzlich berichtete das Portal fussballtransfers.com vom FC-Interesse an Verteidiger José Marsà (24) vom belgischen Erstligisten KV Mechelen. Dort besitzt der Spanier noch einen Restvertrag bis 2027 bei einem Marktwert von 3,5 Mio. €. Anders als bei Chido Obi erhofft man sich, den Spanier für unterhalb des Marktwertes direkt fest zu verpflichten.
Zu den Stärken des Linksfußes zählen vor allem sein sauberes Passspiel und sein kontrollierter Spielaufbau. Marsà durchlief 12 Jahre lang die legendäre “La Masia” in Barcelona, die als beste Fußballschule der Welt gilt. Dort wurde er schon früh technisch hervorragend ausgebildet, weshalb er heute polyvalent als linker Außen- wie Innenverteidiger eingesetzt werden kann. Damit könnte er die freigewordenen Positionen von Cenk und Lund besetzen und zumindest eine offensichtliche Baustelle im Kader schließen. Gleichzeitig kamen in den letzen Stunden auch Gerüchte über eine mögliche Verpflichtung von WM-Stammspieler Gideon Mensah auf.
2021 wechselte der ehemalige U-Nationalspieler Spaniens zu Sporting Lissabon, wo er sich jedoch nie richtig durchsetzen konnte. Nach Stationen in Gijón und Andorra verschlug es ihn 2024 nach Belgien, wo er über zwei Saisons auf 74 Einsätze (2 Tore und 7 Vorlagen) kommt. Laut transfermarkt.de liegt die Wahrscheinlichkeit eines Wechsels zum FC aktuell bei 45% (Stand: 30.06.). Doch im Werben um die Dienste des 24-Jährigen hat der FC offenbar Konkurrenz aus Spanien und Italien. Demnach bleibt weiter abzuwarten, wann der erste Neuzugang offiziell verkündet wird.
Neue Scouting- und Transferstrategie erkennbar
Aus den beiden jüngsten Beispielen lässt sich ein klarer Philosophiewechsel in der Kölner Transferstrategie ablesen. Bereits im Winter konnte man in Person von Jahmai Simpson-Pusey ein hochveranlagtes Talent von einem europäischen Giganten loseisen und inzwischen sogar fest verpflichten.
Der Trend, sich mit top ausgebildeten (Ex-)Talenten aus den besten Fußballschulen Europas zu beschäftigen, soll wohl zur festen Erfolgsstrategie in Köln werden. Nach dem Vorbild anderer Bundesligisten möchte man sich beim FC wohl als attraktive Ausbildungsstätte für entwicklungsfähige Talente präsentieren.
Blickt man etwa nach Frankfurt oder Freiburg zeigen sich Positivbeispiele, wie mit derartigen Transferstrategien einerseits sportlicher Erfolg und andererseits Wertsteigerung und Weiterverkaufspotenzial geschaffen und erreicht werden kann. In Anbetracht der geltenden Machtverhältnisse innerhalb der Bundesliga erscheint dieser Weg aus FC-Sicht unausweichlich, um sich sportlich ebenso wie finanziell langfristig in der Bundesliga zu etablieren und vom Image der Fahrstuhlmannschaft loszusagen.




