Analyse: Álvarez, Souza und Co. – Wer wird zum X-Faktor im FC-Mittelfeld?

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Foto: Instagram.com/sportfotografle

Während die Mannschaft heute ihren letzten Test im Kitzbüheler Trainingslager bestritten hat, läuft die finale Kaderplanung im Hintergrund auf Hochtouren. Besonders im defensiven Mittelfeld herrscht noch Handlungsbedarf. Inside Müngersdorf ordnet ein, wer noch kommen könnte, welches Spielerprofil gesucht wird und wann mit einem Durchbruch in den Verhandlungen gerechnet werden kann.

Formations- und Rollenverständnis unter Wagner

In René Wagners bevorzugtem 4-2-3-1 System ist Platz für zwei defensive Mittelfeldspieler. Typischerweise übernimmt einer dabei die Rolle des offensiveren Parts, der andere bleibt eher defensiv absichernd. Im Idealfall ergänzen sich beide Sechser also in ihrer Rolle und in ihrem Profil, um die Schwächen des jeweils anderen bestmöglich zu kaschieren.

Nach den ablösefreien Abgängen von Eric Martel (Mainz 05) und Denis Huseinbasic (SC Braga) und der Nicht-Aktivierung der Kaufoption von Felipe Chávez (FC Bayern II) klafft noch immer eine Lücke im defensiven Mittelfeld beim FC. Zwar konnte mit Paul Okon-Engstler internationale Verstärkung mit WM-Erfahrung verpflichtet werden, dennoch wollen die Verantwortlichen weiter nachrüsten.

Denn zum jetzigen Zeitpunkt befinden sich – mit Ausnahme des Australiers – in Person von Tom Krauß und Isak Johannesson nur zwei gelernte Sechser im Kader, die bereits gezeigt haben, den Job auf Bundesliganiveau erfüllen zu können. Tom Krauß hat dabei in der abgelaufenen Saison eher den defensiven Part übernommen und konnte mit Zweikampfstärke, Laufbereitschaft und Einsatzwillen punkten. Johannessons Stärken liegen eher in der Spieleröffnung und der Arbeit mit dem Ball am Fuß. Ein Duo also, das sich qualitativ ergänzt und eine erfolgsversprechende Achse bilden kann.

Neuzugang Okon-Engstler ähnelt dabei eher dem Profil von Johannesson und besticht durch seine Spieleröffnung, spielt viele progressive Pässe und bringt gute physische Voraussetzungen mit. Einfach gesagt: Aktuell verfügen die Kölner über einen “Abräumer-Typ” und zwei “spielstarke” Sechser. Folgerichtig sucht man eher noch einen “Typ Krauß” als einen “Typ Johannesson”, um jede Rolle zumindest doppelt besetzt zu haben.

Mehrere Namen auf der Shortlist

In den vergangenen Tagen und Wochen kursierten besonders drei Namen für den freien Posten: Edson Álvarez (28), Ellyes Skhiri (31) und Rani Khedira (32). Zu einer Rückkehr von Skhiri an den Rhein wird es laut Informationen des kicker wohl nicht kommen. Demnach konnten sich Spieler und Verein nicht einigen, sodass sich Skhiri nun anderweitig orientiert.

Auf den ersten Blick handelt es sich bei den anderen beiden um gestandene Profis mit internationaler Erfahrung auf Klub- und Nationalmannschaftsebene. Khedira kennt außerdem die Bundesliga bereits bestens.
Nachdem zuletzt vorwiegend junge, entwicklungsfähige Talente mit hohem Potenzial verpflichtet wurden, sind die Herren Kessler und Steidten nun also bestrebt, dem Kader mit erfahrenen Führungsspielern den letzten Schliff zu verleihen.

Álvarez noch die Wunschlösung?

Bereits Anfang Juli berichtete Sky-Transferexperte Florian Plettenberg vom Interesse des FC an Mexiko-Kapitän Edson Álvarez. Durch den Abstieg von West Ham United gilt ein Álvarez-Abgang als wahrscheinlich, fraglich ist jedoch, ob der FC die finanziellen Rahmenbedingungen schaffen kann, ohne dabei mit den eigenen Prinzipien zu brechen und das interne Gehaltsgefüge zu sprengen.

Denn aktuell verdient der 28-Jährige in England rund 6 Millionen Euro jährlich. Álvarez ist die klar kommunizierte Wunschlösung für die Sechserposition und würde die rheinischen Fanherzen gewiss höher schlagen lassen. Dennoch gestaltet sich ein Transfer derzeit schwierig und wird laut transfermarkt.de mit einer Erfolgswahrscheinlichkeit von 34% eingeschätzt.

Für den Fall, dass der Álvarez-Deal nicht zustande kommt, beobachtet Thomas Kessler ebenfalls die Situation um Rani Khedira. Der 32-Jährige war die letzten Jahre eine konstante Säule bei den Köpenickern, besonders in der Arbeit gegen den Ball. Nach aktuellem Stand würde er in sein letztes Vertragsjahr gehen, die letzte Chance für Union also, Khedira noch gewinnbringend abzugeben.

Sein Marktwert liegt bei 2 Mio. Euro und somit deutlich unter dem von Álvarez (15 Mio.). Khedira wäre wohl nur die B-Lösung für den FC, der im Werben um die Dienste des Tunesiers nicht allein dasteht. Denn ausgerechnet der Rivale vom Niederrhein soll sich aktuell in der Pole Position für eine Verpflichtung Khediras befinden. Daneben besteht wohl Interesse aus der Türkei.

Neues Gerücht um Wolfsburg-Star

Laut dem Journalisten Pablo Oliveira beschäftigt sich der FC mit Vini Souza (27) vom Absteiger VfL Wolfsburg. Angeblich haben die Verantwortlichen sogar schon ein erstes Angebot unterbreitet (Leihe mit Kaufoption). Souzas Marktwert liegt aktuell bei 7 Mio. Euro bei einem Restvertrag bis 2030 in der Autostadt. Der Brasilianer soll jedoch eine zentrale Rolle in den Aufstiegsplänen der Wölfe spielen. Demnach bleibt abzuwarten, ob sich die Wolfsburger überhaupt auf einen Transfer einlassen. Laut dem kicker wurde die erste Offerte der Kölner bereits abgelehnt. Ob es einen weiteren Kölner Vorstoß geben wird, ist derzeit unklar.

Spielerprofile im Überblick – Stärken und Schwächen

Mithilfe der beiden Vergleichmatrixen lassen sich individuelle Stärken und Schwächen genauer erkennen, analysieren und in Kontext setzen.

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Vergleichsmatrix relevanter Mittelfeldstatistiken der Spieler Álvarez, Khedira und Souza. Quelle: datamb
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Ausführliche Vergleichsmatrix relevanter Mittelfeldstatistiken der Spieler Álvarez, Khedira und Souza. Quelle: Squawka

Auswertung der Daten

Álvarez: Komplettestes Profil der drei. Stark in der Balleroberung und der anschließenden Spielgestaltung. Progressive Läufe und Pässe als größte Stärke sowie zuverlässige Passgenauigkeit in beiden Hälften. Solide Zweikampfbilanz in der Luft wie am Boden (ähnliche Zweikampfwerte wie Eric Martel 2025/26). Kapitän und Führungsspieler in der Nationalmannschaft. Kleines Manko: Verletzungsanfälligkeit.

Khedira: Zweikampfstärke und Ballgewinne als positive Punkte. Führungsspieler und Mentalitätsmonster bei Union. Für einen Sechser äußerst torgefährlich (5 Tore, 2 Vorlagen in 32 Bundesligaspielen 2025/26). Hohe Verfügbarkeit, kaum Ausfallzeiten, meiste Spielminuten der drei. Dafür kaum progressive Läufe und Pässe in seinem Spiel. Mit 32 zwar reichlich Erfahrung, dafür schon über seinem sportlichen Zenit.

Souza: Zweikampf-Monster in der Luft (65% gewonnen pro 90) und am Boden (58% gewonnen pro 90). Stärken klar im Spiel gegen den Ball. Gewinnt viele Bälle direkt wieder zurück. Für die hohe Anzahl an Zweikämpfen vergleichsweise wenig Fouls und Karten. Limitationen bei progressiven Läufen und in der Chancenkreation.

Fazit: Vor dem Hintergrund, dass man beim FC vom Profil eher nach einen defensiven, zweikampfstarken “Abräumer-Typ”-Sechser sucht, würden alle drei Kandidaten ins Profil passen. Sie bringen gute physische Voraussetzungen mit, sind gestandene Profis und können auch mal zulangen, wenn es denn sein muss.

Über die Zweikampfstatistik hinaus überzeugt aber besonders Álvarez mit dem Ball am Fuß und ist in der Lage kreative Impulse in der Spieleröffnung zu setzen. Mit ihm hätte man physische Qualität im Zentrum ohne an Spielfreude einzubüßen. Khedira ist in seiner Raumdeckung eher auf Stabilität und Sicherheit bedacht.
Durch seine nahezu non-existenten Ausfallzeiten, stellt er eine konstant verlässliche Option dar. Mit ihm würde man in erster Linie einen stabilen Zweikämpfer, allerdings mit Limitationen in der Spielgestaltung verpflichten.
Vini Souza wäre die Ideallösung, wenn es nur auf eine erfolgreiche Zweikampfquote und solide Arbeit gegen den Ball ankäme. Die kreative Spielgestaltung sollte man besser seinem Partner auf der Sechs überlassen. Dafür ist er ein physischer Leader im besten Fußballalter.

Die Wunschreihenfolge dürfte weitestgehend klar sein, allerdings variiert auch der Preis dementsprechend. Thomas Kessler verspürt derweil keinen Druck vorschnell zu handeln. Auf einer Medienrunde am gestrigen Donnerstag verkündete er zuversichtlich: “Wir sind uns aber ziemlich sicher, dass wir einen passenden Kandidaten finden werden.” Man ist also bestrebt erst zu handeln, wenn alle Gegebenheiten stimmen. “Uns geht es nicht darum, das schnellstmöglich zu tun, sondern eben richtig zu tun”, ordnete Kessler ein.

Ist es mit einem Neuzugang getan?

Sollte der FC tatsächlich einen der aufgeführten Spieler verpflichten bleibt trotzdem die Frage im Raum: reicht das? Denn wenn die letzte Saison eine Lehre offenbart hat, dann, dass der Kader im Fall von Sperren und/oder Verletzungen schnell an seine Grenzen stößt. Inzwischen ist bekannt, dass Tom Krauß die letzten Wochen der abgelaufenen Saison nicht ausfallen wollte und sich stattdessen unter starken Schmerzen durchquälte.
Außerdem mussten Allrounder Jakub Kaminski und Alessio Castro-Montes im Saisonfinale zeitweise notgedrungen auf der Sechs aushelfen. Man täte also gut nicht nur in der Kaderspitze, sondern auch in der Breite nachzurüsten.

Top-Talent auf Wagners Radar

Allerdings muss es nicht immer die teure externe Lösung sein. So berichtete der Geissblog kürzlich, dass sich Top-Talent Patrik Kristal (18) zunehmend ins Rampenlicht spielt. Der zentrale Mittelfeldspieler kam bislang beim FC nur in der U21 zum Zuge, wurde nun aber in der Vorbereitung etwas überraschend von Wagner in die erste Trainingsgruppe befördert und feierte gegen Bergisch Gladbach sein Debüt bei den Profis.

Der Fingerzeig, dass trotz des bevorstehenden Saisonauftakts der U21 (Sa. 01.08. 14:00 Uhr gegen SC Wiedenbrück) alle Talente bis zum Schluss im Trainingslager der Profis bleiben durften zeigt, dass Wagner mit den Auftritten seiner “Younggoats” zufrieden ist. “Alle haben ihren Job getan”, kommentierte der FC-Coach die Situation rund um die eigenen Talente.

Auch im Test gegen die Hertha (2:2) kam Kristal im zweiten Durchgang neben Johannesson auf der Doppelsechs zum Einsatz und hinterließ einen ordentlichen Eindruck. Ob es letztendlich für einen dauerhaften Kaderplatz des estnischen Nationalspielers bei den Profis reicht oder es noch zu einer Leihe des Mittelfeld-Juwels kommt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Für die Kadertiefe ist Kristal jedenfalls schon jetzt eine realistische Option.



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