Da staunten einige FC-Anhänger nicht schlecht, als der FC kurz vor Ende des Wintertransferfensters die Verpflichtung von Felipe Chávez vom FC Bayern München bekanntgab. Das Mittelfeld-Juwel ist vielseitig einsetzbar, fühlt sich in zentraler Positionierung aber am wohlsten. Geschäftsführer Thomas Kessler sagte bei Bekanntgabe des Transfers: “Mit seinen Offensivfähigkeiten gibt er uns zusätzliche Variabilität im Mittelfeld”, und lobte darüber hinaus die “hervorragende Ausbildung” und die “hohe fußballerische Qualität”. Dem Vernehmen nach besitzen die Kölner eine Kaufoption im mittleren einstelligen Millionenbereich – genaue Zahlen sind nicht öffentlich bekannt. Der FC Bayern sicherte sich jedoch auch eine Rückkaufoption für 2027 und 2028.
Karriere & Werdegang
Felipe Marlon Chávez Somocursio wurde am 10.04.2007 in Aichach geboren und besitzt sowohl die deutsche als auch die peruanische Staatsbürgerschaft. Seine ersten fußballerischen Schritte machte Chávez in der Jugend des FC Augsburg, ehe er 2019 an den Jugendcampus des FC Bayern wechselte. Dort durchlief er fortan alle Jugendmannschaften und spielte sich nach einem Gala-Auftritt gegen RB Salzburg im vergangenen Sommer in den erweiterten Kreis des Profikaders.
Doch genügend Spielzeit für die fußballerische Weiterentwicklung ist erfahrungsgemäß nur den wenigsten FCB-Talenten vergönnt. Zu groß ist die Leistungsdichte im Mittelfeld des Rekordmeisters. Entsprechend war das Leihgeschäft die logische Konsequenz, um dem 19-Jährigen den “nächsten Schritt” in seiner Karriere zu ermöglichen.
Großes Manko: Spielzeit
Beim Rekordmeister wurde der talentierte Mittelfeldspieler zwar primär in der 2. Mannschaft eingesetzt (ein Tor, zwei Vorlagen in acht Einsätzen), jedoch sammelte Chávez auch schon erste Bundesliga-Minuten bei Kurzeinsätzen gegen Wolfsburg und Augsburg. Darüber hinaus konnte er zwei Tore in der UEFA Youth League beisteuern.
Während seiner Anfangszeit in Köln offenbarte sich schnell der schwere Stand innerhalb des Teams. Nur zwei Kurzeinsätze in den ersten fünf Spielen – 13 Minuten Spielzeit. Insgesamt kommt das hochveranlagte Talent in seinen bisherigen 10 Spielen im Trikot des FC auf 50 Einsatzminuten und wartet noch immer vergeblich auf sein Startelfdebüt. Überschaubar, um es vorsichtig auszudrücken. Trotzdem scheint Chávez in Kessler einen großen Fürsprecher zu haben, der ihm eine größere Rolle durchaus zutraue.
Die Einstellung stimmt
Noch vor kurzem verzichtete der 19-Jährige bewusst auf die Reise zur peruanischen Nationalmannschaft. Stattdessen entschied sich der Deutsch-Peruaner dazu, die Länderspielpause am Geißbockheim zu verbringen und vollen Fokus auf das Ziel Klassenerhalt mit dem FC zu legen. Für einen Leihspieler nicht selbstverständlich. Das Mindset und das klare Bekennen zum Club zeigen, gerade in sportlich herausfordernden Zeiten, die ausgeprägte reife Einstellung bereits in jungem Alter. Den Charaktertest hat Chávez also schon einmal bestanden. “Mein Fokus liegt ganz klar darauf, meinen Verein […] in einer schwierigen Saisonphase bestmöglich zu unterstützen”, verkündete er gegenüber dem Express. Mit Chávez hat der FC also ein Bayern-Talent ohne Star-Allüren geliehen, das sich voll in den Dienst der Mannschaft stellt. Menschlich also ein wahrer Glücksgriff – sportlich bleibt abzuwarten, ob der Durchbruch im Saisonfinale noch gelingt.
Wirbel um Berichte einer vorzeitigen Festverpflichtung
Mitte März hatte ein Bericht der Abendzeitung München über eine feste Verpflichtung seitens des FC für Schlagzeilen gesorgt. Der Express griff das Gerücht zwar auf, dementierte jedoch wenig später das vorzeitige Ziehen der Kaufoption.
3 Gründe für geringe Spielzeit
- Große Konkurrenz im FC-Mittelfeld: Mit Eric Martel, Tom Krauß, Isak Johannesson und Denis Huseinbasic ist die Zentrale vor der Abwehr prominent besetzt. Selbst Alleskönner Jakub Kaminski half in dieser Saison schon notgedrungen auf der Sechser- bzw. Achterposition aus. Somit konkurrieren Woche für Woche gleich mehrere verdiente Profis um zwei verfügbare Plätze in der Startelf. Ein 19-Jähriger in neuem Umfeld hat dann im Zweifel zunächst das Nachsehen.
- Sportlich angespannte Situation bietet keinen Spielraum für Experimente: Für den FC gibt es sportlich nur ein Ziel, den Klassenerhalt. Chefcoach Wagner gab in seiner kurzen Amtszeit schon deutlich zu verstehen, dass sich jeder Spieler diesem gemeinsamen Ziel unterzuordnen habe. Auch wenn diese Einstellung auf Chávez zutrifft, wie im oberen Abschnitt aufgezeigt wurde, verzeiht der Abstiegskampf keine Fehler. Und junge Spieler machen Fehler. Sie müssen Fehler machen dürfen, um sich weiterzuentwickeln das sollte absolut klar sein. Allerdings werden solche potenziellen Fehler in einem Kurzeinsatz für den FC Bayern gegen Wolfsburg beim Stand von 7:1 deutlich eher verziehen, als im Abstiegskampf, wo jeder Punkt zählt. Die Entscheidung für eine eingespielte Doppelsechs ist vor dem Hintergrund also mit Risikomanagement zu begründen – Leidtragender bleibt trotzdem Felipe Chávez.
- Trainerwechsel & fehlende Rolle im System: Ein Trainerwechsel im laufenden Saisonbetrieb ist immer ein Zeichen von Unzufriedenheit mit dem bisherigen Verlauf. Oft verändert sich in der Folge die Dynamik in einem Verein. Nicht selten geht der berühmte Trainereffekt mit personellen Rotationen in der Mannschaft einher. Zugegeben: Unter Wagner hat sich an der Jokerrolle von Chávez bislang nichts geändert und er zählt nicht zu den Profiteuren des Trainerwechsels. Auch, weil die Idealposition von Chávez im Kölner Spielsystem nicht zu existieren scheint. An der Doppelsechs kommt er aktuell nicht vorbei und weitere zentrale Positionen sind in den zuletzt bevorzugten 4-4-2 und 3-4-3-Systemen nicht vorgesehen. Sollte sich Wagner in den letzten Spielen überraschend für ein System entscheiden, das ein Dreier-Mittelfeld vorsieht (4-3-3 oder 4-2-3-1), ist ein Chávez-Debüt in der ersten Elf zumindest denkbar. In letzterem System würde er die Zehner-Position hinter den Spitzen beziehen – eine Position bzw. ein Profil, welches im FC-Kader ein Stück weit fehlt und am ehesten noch dem von Luca Waldschmidt ähnelt.
Perspektive in Köln?
Doch wie sieht nun die Perspektive für das Mittelfeld-Juwel in Köln aus? Auch wenn Chávez bewusst als “Perspektivtransfer” geholt wurde, dürften sich die FC-Verantwortlichen bis dato bestimmt mehr von der Leihe versprochen haben.
Allerdings hat sich auch gezeigt, dass die Einsatzzeiten von mehreren Faktoren abhängen. Ein möglicher Martel-Abgang im Sommer gilt als wahrscheinlich und würde die Tür für den 19-Jährigen ein Stück weit öffnen. Der bevorstehende Abgang von Said El Mala würde auf Linksaußen eine Position eröffnen, die der vielseitig einsetzbare Chávez in der Vergangenheit schon bezogen hat. Auch die Trainerfrage ist für die kommende Spielzeit noch nicht final geklärt. Ein neuer Coach würde in puncto Spielsystem, Rollenverteilung und bevorzugten Spielerprofilen die Karten nochmal neu mischen. Es zeigt sich also, dass ein Chávez-Verbleib am Rhein denkbar, aber keineswegs in Stein gemeißelt ist. Erst wenn Thomas Kessler die Kaufoption offiziell zieht, ist wohl davon auszugehen, dass der 19-Jährige fester Bestandteil der Zukunftsplanung am Geißbockheim sein wird.



